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Landestag der Psychologie 2017


"Beziehung 4.0 - Macht Digitalisierung alles besser?"
Unser Tagungsbericht


Landestag der Psychologie in Stuttgart stellte sich einem hochaktuellen Thema

Kurz vor dem Landestag der Psychologie in Stuttgart am 8. Juli wurde bekannt, dass polizeiliche Ermittlungen im Darknet zur Identifikation von Mitgliedern der kinderpornographischen Plattform „Elysium“ geführt haben. In nur einem halben Jahr hatten sich dort 87.000 Mitglieder aufgehalten. Es war ein großer Ermittlungserfolg. Fast gleichzeitig meldete die ETH Lausanne: „Ein Algorithmus lernt zu komponieren“. Er erzeugt neue Melodien. Zwei Nachrichten – zwei ganz unterschiedliche Aspekte einer technischen Entwicklung.

Mit dem Thema des Landestages „Beziehung 4.0 – macht Digitalisierung alles besser?“ befand sich die Landesgruppe also sehr nah an den einerseits erschreckenden, andererseits den die Phantasie beflügelnden Entwicklungen. Wie sehr die Digitalisierung Psychologinnen und Psychologen nicht nur privat mit ihrem Smartphone, der Nutzung diverser Apps, eventuell auch der von „Alexa“ oder einem Navigationsgerät betrifft, sondern auch ihren Beruf, die Probleme ihrer Klienten und Patienten und Letzteren sogar helfen kann, diese zu lösen – das war ein zentrales Thema des Tages.

Eintauchen in die Welt der Algorithmen

Den Anfang machte die gelungene Eröffnungsveranstaltung „Wie Algorithmen unser Leben aufmischen“ mit einem Ausflug in die Geschichte der industriellen Revolutionen und einem ersten Gespräch mit Dutzenden von Teilnehmern aus allen Generationen über Chancen und Risiken der Entwicklung aus psychologischer Sicht.

Aufruf zur Mitgestaltung an BDP und an die Politik

Vertieft wurde die Debatte danach in sieben Workshops, die bei aller Unterschiedlichkeit der Thematik eines gemeinsam hatten: Alle ließen erkennen, dass die technischen Möglichkeiten nicht nur Produktivitätssteigerungen, Arbeitserleichterungen, Chancen für eine bessere Gesundheitsversorgung und mehr Unterhaltungswert mit sich bringen, sondern auch das Potenzial besitzen, als Gefahr für Demokratie, Freiheit, Privatheit und Gesundheit genutzt zu werden.

Aus den Diskussionen in den Workshops ließ sich der Auftrag an den BDP und seine Mitglieder ableiten, Einfluss auf die mit der Digitalisierung verbundenen Prozesse zu nehmen, sie mitzugestalten statt sie nur zu verfolgen und hinzunehmen. An die Politik richtete sich der Appell, nicht wie häufig in der Vergangenheit als spätes Korrektiv zu agieren, sondern jetzt an der Rahmengestaltung für die Zukunft zu arbeiten. Das betreffe die Arbeitsgesetzgebung genauso wie das Rentensystem, das bei absehbar weniger Erwerbstätigen und damit weniger Steuereinnahmen auf andere Füße gestellt werden müsse. Dasselbe gelte für die Einkommen der Bürger, wobei an mehreren Stellen das bedingungslose Grundeinkommen, aber auch die von Bill Gates ins Gespräch gebrachte Roboter-Steuer erwähnt wurde.

Mit neuen Forschungsergebnissen zu Kommunikation und Privacy sowie zum Aufbau von Beziehungen im Internet begeisterten Prof. Sabine Trepte und Prof. Christiane Eichenberg. Aus der arbeits- und gesundheitspsychologischen Perspektive schilderten Julia Scharnhorst und Dr. Thomas Moldzio Chancen und Risiken, die Digitalisierung im Arbeitsleben entstehen lässt. Über Internet- und mobilebasierte Interventionen informierten Eileen Bendig und Ann-Marie Küchler und parierten sachkundig viele kritische Nachfragen der Teilnehmer zum Datenschutz genauso wie zum Beziehungsaufbau bei Online-Therapie. Aufrüttelnd sprach Fredi Lange über naive Technikbegeisterung und die Notwendigkeit, berufsethische Werte zu verteidigen.

Mehr über die Workshops erfahren Interessenten aus Artikeln und Interviews mit den Workshop-Leitern, die hier zur Verfügung stehen.

Was dort nicht erfahrbar ist, das sind die großartige Stimmung während der gesamten Veranstaltung sowie die unbändige Diskussionsfreude der Teilnehmer, die auch von den Referenten ausdrücklich gewürdigt wurde. Inspiriert von den persönlichen Begegnungen zeigte sich großes Interesse an regionalen Netzwerken und kollegialem Austausch. Der Landesgruppenvorstand hat nun einige Hausaufgaben zu erledigen.

Geburtstagstorte zum 70jährigen Bestehen der Landesgruppe

Zum Abschluss des Landestages wurde auf das 70jährige Bestehen der Landesgruppe angestoßen. Aus Anlass des Jubiläums war eine Geburtstagstorte angefertigt worden (siehe Foto), die nicht nur sehr gut aussah, sondern auch ebenso schmeckte. „Bis nächstes Jahr“ verabschiedeten sich neue und langjährige Mitglieder, Gäste aus Stuttgart und anderen Teilen Baden-Württembergs. Aber wer weiß – vielleicht mischen die Algorithmen ja auch diese Tradition auf und führen zu neuen Formen der Begegnung. Es muss ja nicht gleich die Holoportation sein …

Christa Schaffmann und Thordis Bethlehem